Projekte des Gewässerverbundes

 

Die Stadt Leipzig engagiert sich im Einklang mit den umliegenden Städten und Gemeinden außerordentlich stark für ihre Wasserbauprojekte, von denen vier die für den Gewässerverbund von besonderer Bedeutung sind kurz vorgestellt werden sollen:


Pleißemühlgraben
Der Pleißemühlgraben wurde in den 50er Jahren überwölbt und zugeschüttet, weil sein Wasser stark verschmutzt war und mit seinen Schaumkronen und dem Gestank die Menschen derart belästigte, dass man damals keinen anderen Ausweg wusste als Aus den Augen (aus der Nase) aus dem Sinn“. Mit der Wende gab es die Chance für Leipzig, diese wasserwirtschaftliche, stadtökologische und stadtplanerische Fehlentwicklung umzukehren. Bürgerinitiativen, Stadtplaner, Umweltschützer und nicht zuletzt die Politiker machten und machen sich stark für ein neues Leipzig am Fluss und für die Entwicklung eines neuartigen Gewässerverbundes in der Region.

Die ersten sieben Bauabschnitte des 2.000 m langen Pleißemühlgrabens sind geöffnet. Die Kosten tragen zu je einem Drittel Investoren oder Sponsoren, der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Inzwischen beteiligen sich auch Umweltstiftungen an den Projekten und es wird ständig nach innovativen Finanzierungskonzepten gesucht. www.neue-ufer.de

Elstermühlgraben
Der Elstermühlgraben erstreckt sich über eine Länge von 1.461 Metern, wobei die gegenwärtige Verrohrung und Überwölbung 995 Meter beträgt. Die Offenlegung ermöglicht die Erschließung reizvoller Stadtansichten und interessanter Auwaldabschnitte vom Wasser aus unter Vermeidung von Wehranlagen und Schleusen. Mit der Errichtung eines innerstädtischen Hafens besteht die Möglichkeit, aus dem Zentrum der Stadt Leipzig heraus mit Sport- bzw. Mehrpersonenbooten den Südraum oder die nordwestliche Auenlandschaft zu erschließen.

Im Rahmen des Olympiasofortprogramms wurde ein erster großer Abschnitt geöffnet, entlang des Ranstädter Steinweges. Gleich zwei Restaurants, zwei Fußgängerbrücken, die attraktive Unterquerung des Ranstädter Setinwegs, eine Bootsanlegestelle und der Zusammenfluss mit dem Pleißemühlgraben machen dieses wasserbauliche Projekt so zentrumsnah äußerst attraktiv.

Karl-Heine-Kanal / Elster-Saale-Kanal
Die Idee, Leipzig als schnell wachsende Wirtschaftsmetropole über einen Kanal an das deutsche Binnenwasserstraßennetz anzuschließen, wurde erstmals im frühen 19. Jahrhundert aufgegriffen. Bereits im Jahr 1850 ergriff Karl Heine die Initiative, diese künstliche Wasserstraße, in der Stadt Leipzig beginnend bis zur Elbe, herzustellen. Er wählte dafür eine Trasse, welche die Elster über das entstehende Industriegebiet Plagwitz mit der Saale verbinden sollte.

Bis 1896 entstanden von der Elstereinbindung bis zur Luisenbrücke die ersten 2,6 schiffbaren Kilometer, der nach seinem Urheber benannte Karl-Heine-Kanal“, ehe seine Weiterführung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Stagnieren geriet. Hauptgrund hierfür war das Fehlen einer Entscheidung über die Trassenführung des Mittellandkanals. Diese wurde letztendlich 1920 getroffen und die konkrete Trassierung des Mittellandkanals bis Magdeburg festgelegt. Auf der Grundlage eines Staatsvertrages aus dem Jahr 1926 konnte der Bau des Elster-Saale-Kanals nach erneuten Verzögerungen im Jahr 1933 endlich beginnen. Allerdings wurden zwischen Lindenau und Güntersdorf (Zschöchergen) nur rund elf Kilometer der insgesamt erforderlichen fast 19 Kilometer hergestellt und geflutet. Der Verlauf des zweiten Weltkriegs setzte dem weiteren Ausbau im Jahr 1942 ein Ende. Weitere drei Kilometer wurden zwar ausgebaggert, jedoch nicht geflutet. Die Arbeiten an den fehlenden letzten 4,8 Kilometer konnten überhaupt nicht begonnen werden. Ebenfalls unvollendet blieben die Anlagen des Leipziger Kanalhafens, dessen Errichtung nach nur drei Jahren kriegsbedingt abgebrochen werden musste.

Bis 2015 fehlte die 620 m lange Verbindungsstrecke zwischen dem städtischen Karl-Heine-Kanal und dem Hafenbecken. Immer noch stellt der Mangel eines bootsgängigen Bauwerkes vom Hafen zum Elster-Saale-Kanal die letzte Barriere in Sachsen Richtung Saale dar. Die Verbindung der Region Leipzig mit der Saale und somit der Anschluss an das Deutsche und Europäische Gewässernetz ist eine der größten Herausforderungen für die Region. Insbesondere auch deshalb, da für die Realisierung eines Teilstückes des Kanals die Zuständigkeit im Land Sachsen-Anhalt liegt und somit eine enge Kooperation mit dessen zuständigen Institutionen und Behörden sowie Initiativen notwendig ist.

Floßgraben
Der Floßgraben ist Teil eines historischen Kunstgrabensystems zur Scheitholzflößerei des 17./18. Jahrhunderts. Mit der Aufgabe dieses Wirtschaftszweiges im 19. Jahrhundert verlor dieses Gewässer stark an Bedeutung. Die Wartung und Pflege wurde minimiert und größtenteils eingestellt, es erfolgten später Einleitungen aus der Tagebauvorfeldentwässerung und aus der Markkleeberger Kläranlage. Eine zunehmende Verlandung war die Folge.

Dieses Gewässer erstreckt sich über die Gemarkungen der Städte Zwenkau, Markkleeberg und Leipzig und stellt die wassertouristisch nutzbare Verbindung zwischen diesen Städten und dem Cospudener und Zwenkauer See dar. Ein rund 2,5 km langer Abschnitt des Floßgrabens durchfließt das Landschaftsschutzgebiet Leipziger Auwald“. Er besitzt hier eine durchschnittliche Breite von sechs bis acht Metern und eine mittlere Wassertiefe von z. Z. 40 cm. Die in diesem Abschnitt ermittelte Schlamm- und Anlandungsmenge beträgt ca. 16.600 m³. Nach der Grundberäumung und der für die hydraulische Wirksamkeit notwendigen Sohlanpassung wird das Gewässer eine mittlere Wassertiefe von ca. 80 cm aufweisen. Der Floßgraben bietet dann ideale Bedingungen für muskelgetriebene und kleine Mehrpersonenboote. Auch den älteren und nicht so sportlichen Bürgern wird somit das Erlebnis des Auwaldes in seiner beeindruckenden Vielfalt ermöglicht.

Der Floßgraben ist das Schlüsselgewässer zur wassertouristischen Erschließung der Stadt Leipzig zum Südraum Leipzig. Deshalb wurde nach Möglichkeiten gesucht, alle ökologischen und für den Wassertourismus erforderlichen Maßnahmen unter Beachtung der naturschutzrelevanten Belange zu lösen und aufeinander abzustimmen. Eine jährlich neue Herausforderung, da sich die Natur (hier der Eisvogel) immer mehr ihren Raum zurück erobert.

In diesem Sinne erarbeiteten alle für das Gewässer verantwortlichen Akteure, so die Städte Leipzig und Markkleeberg, der Sanierungsträger Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH und die Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH ein gemeinsames Maßnahmen- und Finanzierungskonzept, welches zukünftig eine sehr gute Wasserqualität gewährleisten und den Anforderungen des Wassertourismus gerecht werden wird.

Die Leipziger und ihre Gewässer
Die Leipziger Bürger lebten und erlebten schon immer an und mit Ihren Gewässern. War es ursprünglich die Nutzung als Energie- und Nahrungsquelle so wandelte sich dies Anfang des 20. Jahrhunderts zur Sport- und Freizeitnutzung. Es entstanden Gaststätten, Sportvereine und Bootsstationen. Die Pflege der Tradition wurde großgeschrieben. Es bestanden Fahrgeschäfte auf allen Gewässerabschnitten.

Mit dem Aufbau der Carbonchemie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich die Wasserqualität, so dass das Erlebnis der Freizeitnutzung beeinträchtigt wurde. Diese Entwicklung setzte sich bis zum Ende der DDR-Zeit fort. Die Verbesserung der Wasserqualität ermöglicht es, diese alten Nutzungen wiederzubeleben. Erste Ansätze gibt es dazu. Das Wasserfest soll dazu dienen, den Leipziger Bürgern diese Möglichkeiten aufzuzeigen. Neben den vielfältigen Veranstaltungsangeboten, die die Aktivitäten und Traditionen aufzeigen (Fischerstechen, Bootsfahrten) wird an den Informationsständen auf die bestehenden und geplanten Möglichkeiten der Wassernutzung hingewiesen.