Engagement der Stadt Leipzig für Projekte des Gewässerverbundes

Die Stadt Leipzig ist seit Jahrhunderten eine Stadt am Wasser. So wird sie von Fließgewässern von 211 km Länge durchflossen und ist geprägt von 123 Teichanlagen mit einer Größe von ca. 85 ha. Zwei Mühlgräben durchfließen das innerstädtische Gebiet, wobei beide teilweise noch verrohrt oder überwölbt sind.

Touristen, Gäste sowie die Bürger der Stadt erleben bereits heute die Vorzüge und die Kultur einer 500.000 Einwohner-Stadt, verschmolzen mit dem Aufenthalt in einer wunderschönen Auen- und attraktiven Gewässerlandschaft. Die Flüsse prägen nicht nur als zentrales Element die Landschaft, durch die sie fließen, sie beeinflussen auch maßgeblich die Siedlungs-, Industrie- und Gewerbeentwicklung sowie viele Aspekte der menschlichen Kultur.

Im Zusammenhang mit der Sanierung und Flutung der ehemaligen Tagebaurestlöcher durch die LMBV mbH finden aber auch im Süd- und Nordraum von Leipzig umfangreiche Nutzungs- und Landschaftsveränderungen statt, die neben den verschiedenen Landschaftspotentialen (Seen, Waldgebieten, kleinräumig strukturierten Offenlandbereiche) auch ein großes Entwicklungspotential für Freizeit und Erholung (Wassertourismus) in sich bergen.

Es soll zukünftig eine Gewässerlandschaft entstehen, die auch für die kommenden Generationen ökologische und wirtschaftliche Potenziale zur Entwicklungen der Region eröffnet. Ein Merkmal ist hierbei die Schaffung eines möglichst durchgängigen Gewässerverbundes, der gewässertouristisch nutzbar und landschaftsverträglich gestaltet ist. Daher sollte die gewässertouristische Planung auch als Teil der Flussgebietsplanung verstanden werden, die den Prämissen der „Agenda 21“ (nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung) in Bezug auf den Schutz von Natur und Gewässerraum unterliegt.

Über den Karl-Heine-Kanal und den Elster-Saale-Kanal und die die Verbindung der entstehenden Gewässer wird die Region Leipzig mit künftig nicht weniger als 16 großen Seen (Wasserfläche ca. 5.700 ha) der gefluteten Tagebaurestlöcher sowie zahlreichen Fließgewässern und Verbindungskanälen an das europäische Wasserstraßennetz angeschlossen.

Dies bietet die Chance, in diesem Gebiet Naherholung insbesondere aber Wassertouristik in größerem Umfang betreiben zu können. Neben einer Verbesserung der allgemeinen Erholungsmöglichkeiten kann dieses Freizeitangebot durch die Erhöhung der Attraktivität des Standortes Leipzig und seines Umfeldes als günstige Nebenbedingung für eine wirtschaftliche Stabilisierung einschließlich der Entwicklung der Infrastruktur betrachtet werden.

Voraussetzungen sind neben der Gewässerverbindung die Entwicklung der touristischen Infrastruktur und die Maßnahmen zur Entschlammung des Elsterbeckens (Gewässer 1. Ordnung), des Floßgrabens, der unteren Weißen Elster (Gewässer 1. Ordnung), einzelner Abschnitte der Pleiße (Gewässer 1. Ordnung) und den abzweigenden Mühlgräben sowie die Anbindung des Karl-Heine-Kanals und des Elster-Saale-Kanals an den Hafen in Lindenau. Prinzipiell ist es möglich, einen Seen- und Gewässerverbund vom südlichen Tagebaufeld bei Borna/Regis-Breitingen bis in die Delitzscher und Sachsen-Anhaltinische Region zu entwickeln und Leipzig z.B. von der Nord- oder Ostsee über eine durchgängige Schifffahrtsroute zu erreichen.

Die Stadt Leipzig sollte auf dem Wasserweg erreich- und erlebbar sein und Anlegemöglichkeiten oder einen Hafen nahe der Innenstadt erhalten. Dazu bietet sich der Elstermühlgraben an. Die Offenlegung des Elstermühlgrabens würde die gewässertouristische Nutzung der Weißen Elster unter Umgehung des Palmgartenwehres und des Elsterbeckens erheblich erweitern. Eine Bootstour auf dem Elstermühlgraben ermöglicht die Erschließung reizvoller Stadtansichten und interessanter Auwaldabschnitte, ohne Wehranlagen und Schleusen überwinden zu müssen.

Mit der Errichtung eines innerstädtischen Bootsanlegers/-hafens, dem Stadthafen, nahe dem Westplatz und der damit einhergehenden Sanierung des Abschnittes zwischen Palmgartenwehr und Schreberstraße, besteht die Möglichkeit, aus dem Zentrum der Stadt Leipzig heraus mit Sport- bzw. Mehrpersonenbooten den Südraum oder die nordwestliche Auenlandschaft zu erschließen.

Da der Stadthafen inmitten eines von brachliegenden Gewerbe- und Wohnflächen geprägten Stadtbereichs geplant ist, wird erhofft, dass mit seiner Anlage das gesamte Gebiet mit pulsierendem Leben erfüllt werden wird. Gleichrangig dazu ist der Lindenauer Hafen als Sportboothafen zu entwickeln. Das wirtschaftliche Potential des Gewässerverbundes wird in diesem urbanen Raum besonders spürbar werden. Neben dem Entstehen einer nautischen Infrastruktur mit der Ansiedlung von wasserrelevanten, standortgerechten Gewerbe, so z. B. Bootsherstellern, Segelmachern und Dienstleistern aller Art werden hier die Wassersportler auch Raum für die Lagerung ihrer Boote erhalten.